WETTBEWERB
KATH. GEMEINDEZENTRUM HEUSENSTAMM

GRUNDSTÜCKSENTWICKLUNG UND NEUBEBAUUNG DES GRUNDSTÜCKS UM DAS PFARRHEIM ST. CÄCILIA IN HEUSENSTAMM

Im Herzen der Altstadt Heusenstamms in unmittelbarer Nachbarschaft zu der barocken Pfarrkirche St. Cäcilia liegt das zu bebauende Grundstück. Das neue Gemeindezentrums und die angrenzenden, neuen Wohnhäuser fügen sich in ihrer Maßstäblichkeit in das altstadttypische Ortsbild aus kleinteiligen Fachwerkhäusern, öffentlichen Einrichtungen, Höfen, Scheune und Mauern ein. Eine im Stadtbild entstandene Lücke wird durch die Neubauten und gestaltete Freiräume geschlossen.

Projektart: Wettbewerb
Auslober: Katholische Kirchengemeinde St. Cäcilia in Heusenstamm
Ort: Heusenstamm
Zeitraum: 2013
Landschaftsarchitektur: ernst + partner landschaftsarchitekten bdla
Status: 3. Preis

Zur städtebaulichen Neuordnung wurden zunächst Spuren in Heusenstamms Altstadt-Struktur gelesen: Die charakteristischen, wechselnden Raumerlebnisse von Gassen und Aufweitungen, (Bruchstein-)Mauern und Höfen sowie das Wechselspiel von sehr flacher bis hin zu höherer Bebauung, eine lebendigen Dachlandschaft. Der Entwurf greift diese Potentiale auf und betont sie.
Nördlich von St. Cäcilia erstreckt sich das neue Gemeindezentrum parallel zur Kirchmauer. Im Zusammenspiel mit der umgebenden Bebauung entsteht ein neuer Kirchhof, der die angrenzenden Nutzungen (Kirche bzw. Kirchgarten, neues Gemeindezentrum, Pfarrhaus, die neue Sakristei im denkmalgeschützten Fachwerkhaus) funktional miteinander verknüpft. Nördlich schließt sich ein neues, auf ein generationsübergreifendes Miteinander ausgelegtes Wohnquartier für Familien und Senioren an, das über die Schlossstraße erschlossen wird.  
Im Zentrum des Quartiers stehen 21 Stellplätze, davon mindestens einen Behindertenstellplatz für Anwohner und Nutzer des Gemeindezentrums zur Verfügung. Die Parkplatzfläche ist niveaugleich ausgebaut und kann für Veranstaltungen (Flohmarkt, Nachbarschaftsfest,...) auch andere Funktionen aufnehmen. Zudem werden durch die Neuordnung der Freiflächen wichtige Wegeverbindungen durch die Altstadt freigelassen, eine Anbindung an den Museumsgarten geschaffen und auf diese Weise ein Beitrag zur Belebung des Quartiers geleistet.

Das neue Gemeindezentrum bildet als eingeschossiger, lang gestreckter Baukörper parallel zur Nordfassade der Kirche eine Aufweitung zum neuen Kirchhof aus. Von hier betritt man das Gemeindezentrum. Über einen zentralen Eingangsbereich (Garderobe, WCs,...) können - auch während zeitlich parallel stattfindender Nutzungen - der Saal und die Gruppenräume unabhängig erreicht werden. Der große Saal orientiert sich zum Kirchhof und ist zu diesem großflächig verglast. Sein Rückgrat bilden Nebenräume wie Stuhllager, Getränkelager, Küche, Behinderten-WC und Technikraum. Die durch eine bewegliche Trennwand teilbaren Gruppenräume orientieren sich nach Osten und sind ebenso großflächig verglast.
In Anlehnung an die Fachwerkbebauung der Altstadt und aus ökologischen Aspekten ist das Gebäude als Holzbau in Holzrahmenbauweise geplant. Über die Pfosten-Riegel-Fassade (Eiche, tiefe Leibungen, Öffnungen in Glas-über-Rahmen-Konstruktion, textiler Sonnenschutz) entstehen optische und auch funktionale Freiraumbezüge. Beim Pfarrfest oder ähnlichen Veranstaltungen kann der Saal durch Öffnen der Türen nach außen erweitert werden. Die geschlossenen Fassadenflächen zeigen sich als Bruchsteinmauern, die im ortstypischen Kalkstein aufgemauert werden. Das Dach greift die formenreiche Dachlandschaft der Altstadt auf und interpretiert diese zu einem Faltwerk. Durch den Verzicht auf Dachüberstände wird die Eigenständigkeit der Gebäudeform und seiner Nutzung betont.
Diese Faltkonstruktion ist auch im Innerraum des Gebäudes erfahrbar. Darüber hinaus werden Materialien im Innenraum zurückhaltend und in Form von klaren handwerklichen Details eingesetzt. Das Haus soll als Hülle für eine lebendige Kirchengemeinde dienen.

Das angrenzende Wohnquartier ist insbesondere an die Bedürfnisse junger Familien und Senioren angepasst:
Im Westen des Planungsgebietes sind in einem Gebäuderiegel mit Satteldach sechs Wohneinheiten für Senioren geplant. Dieser wird aus dem Zentrum des Quartiers erschlossen und orientiert sich mit seinen privaten Freiräumen (Loggien und Gärten) nach Westen zur Abendsonne. Das Haus gliedert sich wiederum in zwei Bauteile (mit umlaufender, wärmegedämmter Hülle) und in ein dazwischen gestelltes Stiegenhaus, das den Eingangsbereich (Klingel, Briefkasten,…), ein zentrales Treppenhaus mit Aufzug und die Loggien aufnimmt. Die kleinen, durchgesteckten Apartments sind barrierefrei erreichbar und ausgebaut. Sie profitieren insbesondere hinsichtlich der Belichtung von der geringen Gebäudetiefe. Alle Fenster der Lochfassade reagieren mit niedrigen Brüstungshöhen auch auf den Ausblick im Sitzen. Nordöstlich des neuen Gemeindezentrums ist ein weiteres Wohnhaus bestehend aus zwei Familienhäusern mit zuschaltbaren, barrierearmen Einliegerwohnungen geplant. Die zweigeschossigen Baukörper mit Satteldach sind im Erdgeschoss L-förmig gefügt, schmiegen sich teils an die Grundstücksgrenze und schaffen so Raum für einen nach Süden orientierten, privaten Hof, der von einer Bruchsteinmauer umschlossen ist. Von hier gelangt man in die Wohnbereiche der vier Wohneinheiten, die zum Hof großflächig verglast sind (Pfosten-Riegel-Fassade in Holz mit textilem Sonnenschutz). In den Obergeschossen finden sich die Schlafräume, die teilweise um Schlafgalerien im Dach ergänzt sind.Auch die Wohnhäuser sind in Holzrahmenbauweise konzipiert. Als Fassadenmaterial sind dicht gestoßene, schmale Holzprofile in vertikaler Anordnung vorgesehen.

 Durch die städtebauliche Neuordnung entstehen spannungsvolle Frei-Raumfolgen die sich in Maßstäblichkeit und Anordnung am vorhandenen Stadtgrundriss orientieren. Die vorgefundenen regional typischen Grenzmauern werden behutsam zur Fassung privater Freiräume ergänzt und in gleicher Materialität fortgeschrieben.
Der großzügige baumüberstellte Bereich im Zentrum ist sehr gut im Ortsgefüge vernetzt. Er kann zum Einen Bühne für Quartiersfeste o.ä. sein, gleichzeitig erfüllt er den geforderten PKW-Platzbedarf. Gerahmt vom neuen Gemeindehaus, Kirchmauer und den historischen Pfarreigebäuden liegt der neue Festplatz, bewusst durch die Lage des Veranstaltungsneubaues vom halböffentlichen Wohnbereich im Norden abgesetzt. Eine kleine Grünfläche erlaubt wohnungsnah das „Spielen an der Mauer“. Zahlreiche kleine Bankplätze laden zum Sitzen und Verweilen ein. Zur Begrünung und Grünvernetzung wird die Verwendung von standortgerechten, heimischen Gehölzen vorgeschlagen. Die Bodenbeläge sollen mit ortstypischen Baustoffen gestaltet werden. Durch ruhige und unaufdringliche Verwendung wird somit ein zusammenführender Stadtboden als Basis für das neue zentrale Quartier geschaffen, welcher im Kontext mit den Raumeindrücken eine hohe Aufenthaltsqualität erwarten lässt.

Der Neubau des Gemeindezentrums soll ein lebendiger und Identität stiftender Treffpunkt für die St. Cäcilia-Gemeinde werden. Gleichzeitig kann die städtebauliche Situation nachhaltig geordnet und ein neuer architektonischer und gesellschaftlicher Mittelpunkt im Ortsleben geschaffen werden. Zudem entsteht ein qualitätvolles, innerstädtisches Wohnquartier, das die aktuellen Bedürfnisse von Senioren und Familien in den Vordergrund stellt und so die Geschichte der Altstadt fortschreibt.