WETTBEWERB
STUDIERENDENHAUS FRANKFURT AM MAIN

NEUBAU EINES STUDIERENDENHAUSES AUF DEM CAMPUS WESTEND

Mit dem neuen Studierendenhaus soll am Uni-Standort Westend ein gemeinnütziger Raum für das studentische Gemeinschaftsleben entstehen, der zum politischen, kulturellen und sozialen Zentrum der Studierenden wird. Der Neubau fügt sich in das Campusgelände ein, ergänzt es in der Tradition des Studierendenhauses am bisherigen Uni-Standort Bockenheim  funktional und  kehrt sein außergewöhnliches und eigenständiges Innenleben nach außen.

Projektart: Wettbewerb
Auslober: Land Hessen
Ort: Frankfurt am Main
Zeitraum: 2014
Landschaftsarchitektur: HKK Landschaftsarchitektur GmbH, Frankfurt am Main
Energiekonzept: ina Planungsgesellschaft mbH
Status: Sonderpreis der Studierenden

Der sechsgeschossige Baukörper mit einer Gebäudetiefe von 16,50 m nimmt die südliche Bauflucht der Nachbarbebauung auf, nutzt das Baufeld in seiner maximalen Länge - nicht aber in voller Tiefe - aus. Aus diesem kompakten Volumen löst sich der Große Saal, der über die Gebäudeflucht hinausragt und einen herrlichen Blick freigibt: über den Campus, die Stadt, in die Welt.

Über die vorgelagerte Platzfläche wird das Gebäude durch den südlich gelegenen Haupteingang betreten. Aus dem zentralen Eingangsbereich mit Pforte sind über das Haupttreppenhaus mit Aufzug alle öffentlichen, halböffentlichen und internen Bereiche barrierefrei zugänglich. Das Café KOZ liegt westlich des Haupteingangs, ist gut auffindbar über Eck angeordnet und öffnet sich mit der zugehörigen Terrassenfläche nach Südwesten zum Band der zentralen Einrichtungen auf dem Campus. Ebenso erdgeschossig sind östlich des Haupteingangs die Allgemeinen Räume, Büros sowie die Fahrradwerkstatt angesiedelt. Über den zentralen Eingangsbereich sind der Partykeller, die Lagerräume sowie der Hausmeisterbereich im Untergeschoss erreichbar. Vom 1. bis 3. Obergeschoss erstrecken sich östlich des Haupttreppenhauses Büroetagen, die sowohl als Zellen-  als auch als Kombibüro ausgestattet werden können. Diese geschossweise angeordneten internen Bereiche befinden sich stets östlich des Haupttreppenhaus und sind zusätzlich über das nordöstliche Treppenhaus (Fluchttreppe großer Saal) als ´interne Treppe´ miteinander verbunden. Über das kleine Foyer im 2. Obergeschoss wird die Pupille mit den zugehörigen Räumen erreicht. Darüber - im 3. Obergeschoss - ist der in Teilen zweigeschossige Lern- und Konferenzbereich angeordnet. Der Große Saal im 4. Obergeschoss wird durch ein Foyer mit Sichtbeziehung zum darunterliegenden zweigeschossigen Lernsaal betreten. Aus diesem Foyer führt eine weitere Treppe zur großzügigen, nach Westen ausgerichteten Dachterrasse. Im Übergang zu dieser Treppe kann wahlweise ein Loungebereich oder eine zusätzliche Garderobe vorgesehen werden. Der Große Saal selbst ist nach Süden geöffnet, gewährt so einen einzigartigen Ausblick über den Campus und gleichzeitig Einblicke in das gemeinschaftliche Leben der Studierenden.

Über die Fassade tritt das Gebäude in Dialog mit der Umgebung. Es gewährt Einblicke und gibt einen Eindruck von der außergewöhnlichen Nutzung im Inneren. Die vielfältigen in einem Haus zusammengefassten Nutzungen zeigen sich nach außen in Form sehr unterschiedlicher Fassadenöffnungen. Zudem schreibt das gewählte Fassadenmaterial die Geschichte ein Stück weiter, indem hier ein Baustoff (vom Uni-Campus Bockenheim oder dem Biologie-Campus Palmengarten) recycelt und gestaltprägend eingesetzt  wird.

Als Abbruchziegel (mit Spuren und Macken) wird er der Konstruktion vorgeblendet und dünn mit einer mineralischen Schlämme, die die Farbigkeit des Poelzig-Baus aufgreift, überzogen, so dass der Ziegel noch durchscheint. Die Fassade ist damit hoch wetterbeständig und schlagfest. Der Ziegel, der zumeist als Konstruktion verkleidet ist, wird hier gezeigt und im Zusammenspiel mit dem warmen, geölten Eichenholz der Fassadenöffnungen nobilitiert.Die moderne Architektur spiegelt sich in der Gestaltung der Außenanlage wieder. Ein weitläufiger Platz mit vereinzelten rechteckigen Grüninseln lädt zum Verweilen ein. In Verbindung mit dem Café KOZ entsteht so westlich des Haupteingangs ein offener, transparenter Platz mit großen Sitzmöglichkeiten aus massivem Holz. Durch die einheitliche Verwendung eines Bodenbelags verschmilzt der Bereich der Café KOZ Terrasse mit dem Platz. Die Platzfläche ist somit zwar funktional jedoch nicht optisch in zwei Teile gegliedert. Die geplanten Bäume bilden ein schirmförmiges, lichtes Blätterdach über dem Platz, das an heißen Sommertagen Schatten spendet. In diesem Bereich findet das studentische Leben statt, mit viel Aktivität und Gewimmel.

Östlich des Haupteingangs kehrt hingegen ein wenig Ruhe ein. Durch die Anordnung unterschiedlich großer grüner Inseln und Hochbeete wird dieser Bereich des Platzes etwas abgeschirmt. Bäume und Bepflanzung sorgen dafür, dass kleine private Räume entstehen, in die man sich zurückziehen kann. Hier kann man es sich auf den Sitzmauern der Hochbeete bequem machen und in Ruhe ein Buch lesen oder lernen. Im Gegensatz zum transparenten Teil des Platzes, bei dem weite Blickbeziehungen möglich sind, hat man hier einen eingeschränkten Blickwinkel, der eine ruhige und geschützte Atmosphäre entstehen lässt.Im Grünstreifen auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind Fahrradstellplätze und zwei behindertengerechte Parkplätze eingebunden. In der Sichtachse zum Haupteingang hin ist auf dem Grünstreifen ein kleiner Sitzplatz geplant. Weitere Fahrradstellplätze findet man am Gebäude, in der Nähe der Fahrradwerkstatt. Die großzügige Dachterrasse des Studierendenhauses orientiert sich nach Westen (Abendsonne). Sie ist mit einem Holzdeck belegt und durch Bepflanzungen gegliedert. Die stabilen Sitzelemente aus Holz, die auch auf dem Platz vor dem Gebäude angeordnet sind, finden sich auch hier oben wieder. Die Dachfläche über dem Saal ist mit einer extensiven Dachbegrünung versehen.Mit dem Neubau soll die Chance genutzt werden, ein einzigartiges Haus zu realisieren, das den Studierenden und deren Sehnsucht nach Wissen und Austausch in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig selbst Neugierde erzeugt.