WETTBEWERB
TALSTATION NIEDERWALDDENKMAL RÜDESHEIM

NEUBAU EINER TALSTATION FÜR DIE RÜDESHEIMER SEILBAHN ZUM NIEDERWALDDENKMAL

Das den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügende Erschließungsgebäude der Talstation wird durch einen größeren Neubau ersetzt, der zusätzliche Funktionen (u.a. Aufzüge) aufnimmt, die Besucherströme selbstverständlich leitet und den Betrieb zeitgemäß neu organisiert. Es entsteht ein Gebäude, das weithin Signalwirkung hat und Vorfreude auf die Fahrt mit der Seilbahn und den Besuch des Niederwalddenkmals und des umgebenden Landschaftspark weckt.

Projektart: Wettbewerb
Auslober: Rüdesheimer Seilbahngesellschaft mbH
Ort: Rüdesheim
Zeitraum: 2013

Typisch für die Bebauung des Umfelds ist die gewachsene kleinteilige Struktur mit kleinen Häusern und schmalen Gassen, durchsetzt mit einigen größeren Gebäuden, deren Zweckbestimmung vor allem touristisch begründet ist. Vor diesem inhomogenen Hintergrund geht die vorhandene Talstation, abgesehen vom funktionalen Verbesserungsbedarf, auch optisch bisher etwas unter. Hier soll sich ein neuer Baukörper selbstbewusst in einer turmhaften, skulpturalen Geste so weit wie nötig in die terrassierte Freifläche schieben. Er wird damit einerseits zum architektonischen und funktionalen Hauptdarsteller des Platzes, diesem andererseits aber auch den bisher vermissten räumlichen Halt geben. Darüber hinaus wird das von Türmen geprägte markante Stadtbild Rüdesheims (u.a. Boosenburg) um einen weiteren, sensibel eingefügten und zeitgemäßen Baustein ergänzt.

Gebäude und Platzgestaltung bilden einen „gebauten Weg“ für die Fahrgäste, der dessen Erlebniswert mit einer klaren Organisation der Erschließungsfunktionen verbindet. Der Platz sammelt und führt die Besucher in einer barrierefreien Kombination aus Rampen und Freitreppen intuitiv zum Kassenbereich am Gebäudeeingang, der sich nunmehr deutlich dem Platz zuwendet. Es gibt einen überdachten Wartebereich als „Stauraum“ für die Wartenden, der sich in die Freifläche erweitert. Die abgehenden Besucher verlassen das Gebäude räumlich klar vom Zugang getrennt und können sich schnell über den Platz in Richtung Altstadt verteilen.Innerhalb des Gebäudes werden die Besucherströme durch zwei separate, ineinander verschachtelte Treppen und die jeweils zugehörigen Aufzüge von und zu der Einstiegsebene geleitet. Auf dem Weg durch das Gebäude eröffnen sich dem Besucher spannende Ausblicke über Rüdesheim und die Weinberge des Rheintals.Die „dienenden“, öffentlichen Räume wie Kasse, Toiletten und Schließfächer sind im Erdgeschoss angeordnet. Darüber sind die nur für die Betreiber zugänglichen Büro-, Besprechungs- und Sozialräume untergebracht. Im Obergeschoss gelangen die Besucher zum Einstieg. Der barrierefreie Zugang zu Kasse und Aufzug ist über den östlichen Durchgang gewährleistet, der sonst als Ausgang dient. Das Gebäude ist als Betonkonstruktion mit einem statisch tragenden Kern aus Aufzügen und Treppenhaus konzipiert. Der bossierte Sichtbeton soll einen Zuschlag aus dem Bruchstein des Bestandsgebäudes erhalten. Es wird mit der daraus resultierenden, rötlich-warmen Färbung den typischen regionalen Baustoff neu interpretieren und den Bezug zur umgebenden Bebauung herstellen. Ebenfalls in eingefärbtem Sichtbeton, allerdings mit einer waagerechten, gehobelten Brettschalung versehen, ist der Einschnitt am Eingang als eine Art Gewand konzipiert, mit der auch Bezug auf die leicht überstehenden, gestaffelten Dächer der westlichen Platzrandbebauung genommen wird.In energetischer Hinsicht ist vorgesehen, große Teile des Eingangsturms, soweit mit der Funktion vereinbar, als „kalte“, unbeheizte Konstruktion zu belassen. Nur die dauerhaft genutzten Räume des Betreibers sowie Kasse und ggfs. Toiletten erfordern eine Beheizung, und sollen durch umlaufende, hochwertige Kern- oder Innendämmung vom Rest des Gebäudes getrennt werden. Durch den Verzicht, größere Teile des Gebäudes, in denen sich der einzelne Besucher nicht dauerhaft aufhält, unnötig zu beheizen, werden sich die zukünftigen Betriebskosten nachhaltig verringern lassen.

Der bisher eher unstrukturierte Vorplatz soll neben den Erfordernissen der Zugangssituation auch als Treff- und Wartepunkt dienen. Die dafür nötige Aufenthaltsqualität wird neben dem „Aufräumen“ der diversen vorhanden Gestaltungs- und Funktionselemente durch eine durchgehende, terrassierte Gestaltung als Rampen/Treppen-Kombination geschaffen, innerhalb welcher der vorhandene, platzprägende Baum sowie neue, bewusst in die Freitreppen eingestreute Sitzgelegenheiten neue Anziehungspunkte bilden. Gastronomie und Geschäfte rund um den Platz werden hiervon profitieren können.